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Rottalbahn fährt jetzt im Stundentakt 

Am 13. Dezember 2009 hat für die Rottalbahn ein neues Zeitalter begonnen: Auf Bestellung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) fahren die Züge der Südostbayernbahn zwischen Mühldorf und Passau seither im Stundentakt. Auch abends und am Wochenende bietet die Rottalbahn stündliche Fahrtmöglichkeiten an.

Der neue Fahrplan der Rottalbahn bietet nicht nur für Berufspendler und Schüler Vorteile: Auch der abendliche Kinobesuch in Passau, der Tierparkbesuch in der Landeshauptstadt oder der Besuch des Freilichtmuseums in Massing ist mit dem neuen Fahrplan viel einfacher geworden. In Mühldorf bestehen Anschlüsse aus dem Rottal nach München, Salzburg, Wasserburg oder Rosenheim. In Passau kann zu den Zügen des Fernverkehrs in Richtung Frankfurt/Main und Wien sowie zu den Regionalzügen in Richtung München umgestiegen werden.

Der offizielle Startschuss für die neue Rottalbahn ist am 13. Dezember 2009 in Massing erfolgt: Gemeinsam wünschten Regierungspräsident Heinz Grunwald, MdL Reserl Sem, Massings Bürgermeister Josef Auer, Andreas Schulz von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft sowie Christoph Kraller von der Südostbayernbahn der neuen Rottalbahn allzeit gute Fahrt. Nach dem kirchlichen Segen wurde dabei auch der neue Bahnhof in Massing offiziell in Betrieb genommen. Für die Bevölkerung war der Dampf-Sonderzug der Passauer Eisenbahnfreunde im Einsatz.

Neuer Kreuzungsbahnhof in Massing
Der Einführung des Stundentaktes vorausgegangen ist eine umfassende Streckensanierung. Um einen reibungslosen Zugbetrieb im Stundentakt zu garantieren, wurde der Bahnhof in Massing zum Kreuzungsbahnhof ausgebaut. Der Einbau einer moderner Rückfallweichen macht dort eine Begegnung der Züge möglich - eine wichtige Voraussetzung für das stündliche Fahrtangebot. Im Rahmen der Baumaßnahmen erhielt der Bahnhof außerdem einen modern ausgestatteten, 55 cm hohen und barrierefrei erreichbaren Mittelbahnsteig, der den Fahrgästen ein bequemes Ein- und Aussteigen ermöglicht. Eine zusätzliche Überdachung, sowie die schrittweise Ausstattung mit einem Fahrgastinformationssystem, Fahrkartenautomat und Blindenleitstreifen verleihen dem Bahnhof ein neues Gesicht.
Für den Neubau des Kreuzungsbahnhofes in Massing wurden mit finanzieller Unterstützung des Freistaat Bayern insgesamt 2,3 Millionen Euro aufgewendet. Dafür wurden rund 300 Meter Gleis neu verlegt, rund 300 Meter Schienen, 500 Schwellen, rund 1.400 Tonnen Schotter sowie 24.000 Meter Kabel neu verlegt und zwei neue Lichtsignale installiert.

Großer Bahnhof auch für Eggenfelden
Auch Eggenfelden profitierte von dem umfassenden Modernisierungspaket: Hier gibt es seit Dezember 2007 den neuen Bahnhof Eggenfelden Mitte, der bei den Fahrgästen auf große Resonanz stößt. Knapp 200 Reisende nutzen mittlerweile den neuen Bahnhof täglich. Der Bahnhof Eggenfelden wird auch künftig bedient und dann sogar zum "Zugleitbahnhof“ aufgewertet. Das bedeutet, dass von hier aus die Regelung der Zugfahrten zwischen Neumarkt-St. Veit, Eggenfelden und Massing erfolgen wird. Rund 10.000,- Euro wurden außerdem aufgewendet, um die Räumlichkeiten für Fahrdienstleiter, Zugleiter und die Unterbringung der Technik zu modernisieren.
Bahnhof Sulzbach
Ein attraktiveres Erscheinungsbild erhielten noch zahlreiche weitere Bahnhöfe und Haltepunkte entlang der Rottalbahn. Bayerbach, Anzenkirchen und Fürstenzell, sowie Neustift und Neukirchen wurden in den letzten Jahren rundum erneuert. Bis zum Jahresende 2009 wurden nun auch die Bahnhöfe Bad Birnbach und Sulzbach modernisiert. An den Bahnhöfen und Haltestellen werden vor allem die Bahnsteige erhöht, neue Beleuchtungen installiert, sowie Bahnsteigbeläge gepflastert. Zudem machen neue Vitrinen, Fahrradständer und Ausstattungselemente wie Sitzmöbel die Bahnhöfe zu einem angenehmen Aufenthaltsort während der Wartezeiten auf den Zug.
Mehr Sicherheit an den Bahnübergängen
Um die Sicherheit an den Bahnübergängen zu erhöhen, wurden eine Reihe schwach frequentierter Bahnübergänge aufgelassen bzw. zu Rad- und Fußwegen umgebaut sowie mehrere Straßenübergänge mit einer neuen technischen Sicherungsanlage ausgerüstet. Dabei werden die Bahnübergänge durch eine moderne Lichtzeichenanlage und Halbschranken für den Autoverkehr sicherer gestaltet.
Dennoch wird sich mit der Zahl der Züge auch die Unfallgefahr an den insgesamt 159 Bahnübergängen, von denen nur 41 gesichert sind, erhöhen. "Aber wenn im Schnitt alle 600 Meter ein Übergang kommt, kann man nicht jeden Bahnübergang mit Schranken und Lichtzeichenanlagen ausrüsten“, verdeutlicht Christian Kubasch, technischer Leiter der Südostbayernbahn, die Situation. Hinzu komme, dass selbst geschlossene Schranken oder gesperrte Übergänge weder Fußgänger noch Auto- und Zweiradfahrer davon abhalten, die Schienen zu überqueren. Das zeige sich bei einigen der insgesamt 24 Unfälle, die sich von 2003 bis 2009 auf der Rottalbahn ereigneten und bei denen sechs Menschen starben. Über 95 Prozent aller tödlichen Unfälle an Bahnübergängen sind auf die Unachtsamkeit der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen. Versagen des Zugpersonals oder technische Defekte spielen nur eine untergeordnete Rolle, bestätigt auch der ADAC. Gefährlich werde es zudem, wenn Verkehrsteilnehmer an Übergängen warten müssen und dabei leichtsinnig werden: "Fast jeder Fünfte Autofahrer ist bereit, zumindest in Ausnahmefällen Halbschranken zu umgehen oder zu umfahren", so Alois Ortner, ADAC-Vorstandsmitglied. Trotzdem wäre es zu einfach, die Schuld allein beim Verkehrsteilnehmer zu suchen. "Der sicherste Bahnübergang ist der, den es nicht gibt", sind sich ADAC und Südostbayernbahn einig. Um die Zahl der Bahnübergangsunfälle zu reduzieren, starten ADAC und Südostbayernbahn in Kooperation mit der Bundespolizei sowie dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat die Präventivkampagne "Sicher drüber“. Damit wurde die Bevölkerung für mögliche Gefahren am Bahnübergang sensibilisiert.

Rottalbahn schafft neue Arbeitsplätze
Durch das neue Zugangebot auf der Rottalbahn wurden auch neue Arbeitsplätze geschaffen. So erhöht sich die Zahl der Mitarbeiter, die direkt für den Betrieb der Rottalbahn tätig sind, um 20 Personale auf künftig insgesamt 70 Mitarbeiter. Ein Teil der Mitarbeiter bekommt in Pocking einen neuen Arbeitsplatz, hierzu wurde im Obergeschoss des Bahnhofes eine neue Einsatzstelle für Lokführer und Zugbegleiter eingerichtet.

Umfassende Modernisierung wird sich auszahlen
Dass sich die bisherigen Investitionen in die Rottalbahn lohnen, davon ist die Südostbayernbahn überzeugt. Durch die Einführung des Stundentakts wird ein Anstieg der Fahrgastzahlen um 40 % bis 2013 erwartet. Das wiederum wirkt sich positiv auf die gesamte Region aus.

Um die Neuerungen auf der Rottalbahn umfassend bekannt zu machen, wurde ein eigener Flyer mit dem neuen Fahrplan hausverteilt. Zudem garantiert eine Kooperation mit der Sparkasse Rottal- Inn, dass die Bürger über wichtige Hinweise und aktuelle Veranstaltungen Bescheid wissen. In allen Filialen entlang der Rottalbahn wird in den nächsten Monaten Informationsmaterial ausliegen. In 2010 werden die Städte Pfarrkirchen und Neumarkt-St. Veit die Patenschaft über jeweils einen der auf der Rottalbahn eingesetzten Triebwagen übernehmen.

Mit einer Länge von 97 Kilometern gilt die Rottalbahn als längste Nebenbahn Bayerns. Sie umfasst 19 Bahnhöfe und Haltepunkte und verbindet drei Landkreise miteinander. Der erste Fahrplan für die Rottalbahn, die sich damals noch auf den Abschnitt Neumarkt-St. Veit - Pocking beschränkte, erschien 1880. Vier Jahre später konnte man bereits bis nach Passau fahren. Eine wichtige Verbesserung war der erstmalige Einsatz eines "Kurswagens“, der seither für die Urlauber im niederbayerischen Bäderdreieck eingesetzt wurde. Damit war die Rottalbahn umsteigefrei mit den wichtigsten Städten im Ruhrgebiet und Hamburg verbunden. Durch die wachsende Konkurrenz des Individualverkehrs wurde die Strecke später immer weniger genutzt. Trotz einiger Umbau- und Modernisierungsarbeiten drohte seit 1994 sogar die Stilllegung der Rottalbahn. Erst mit der Gründung der Südostbayernbahn im Jahr 2001 erfuhr die Rottalbahn wieder eine deutliche Aufwertung. Seitdem wird kontinuierlich daran gearbeitet, die Strecke zwischen Mühldorf und Passau verkehrstechnisch auf einen neuen Stand zu bringen und damit auch wieder für ein breiteres Publikum interessant zu machen.

Streckenflyer Rottalbahn (466 KB)
Pendeln zwischen Inn, Rottal und Dreiflüsse-Eck mit der Südostbayernbahn.
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